Trends

Wie KI-Agenten das CCM verändert

Dr. Peter Kullmann |

Das Produktivitätsparadoxon

Unternehmen haben in den vergangenen zwei Jahren massiv in Künstliche Intelligenz investiert. Copilot-Lizenzen wurden eingeführt, Pilotprojekte für generative KI gestartet und promptbasierte Assistenten in zahlreiche Tools integriert. All diese Maßnahmen folgten einem klaren Ziel: Prozesse zu beschleunigen, Fehler zu reduzieren und Produktivität messbar zu steigern.

In der Praxis bleiben die tatsächlichen Ergebnisse bislang hinter den Erwartungen zurück.

Aktuelle Untersuchungen des MIT1 (Massachusetts Institute of Technology) bestätigen, was viele IT-Verantwortliche bereits vermuten: Die Produktivitätsgewinne durch promptbasierte KI sind gering, unbeständig und nur schwer skalierbar. Der Grund dafür ist struktureller Natur. Denn diese Werkzeuge benötigen bei nahezu jedem Schritt einen Menschen im Prozess. Auf eine Eingabe folgt eine Antwort, diese muss geprüft werden und erst dann kann die nächste Anfrage gestellt werden. Die KI unterstützt zwar punktuell, doch die eigentliche Arbeit bleibt weiterhin beim Menschen. Für Gelegenheitsaufgaben wie das Verfassen einer E-Mail oder das Zusammenfassen eines Dokuments ist dieser Ansatz durchaus nützlich. In komplexen, volumenstarken Geschäftsprozessen entfaltet er jedoch kaum Wirkung.

Das Problem liegt nicht in der KI selbst, sondern in der Art und Weise ihrer Anwendung.
 

Von der Eingabe zur Orchestrierung

Zwischen promptbasierter KI und agentischen KI-Systemen besteht ein grundlegender Unterschied. Für Unternehmen ist er entscheidend, wenn es um die Bewertung zukünftiger Investitionen geht.

  • Promptbasierte KI
    Promptbasierte KI folgt einer einfachen Schleife: Der Mensch stellt eine Frage, die KI liefert eine Antwort, der Mensch prüft und steuert nach. Der Mensch bleibt der Koordinator. Die KI ist ein nützliches, aber passives Werkzeug.
  • Agentische KI
    Agentische KI hingegen verfolgt einen anderen Ansatz. Einem Agenten wird kein einzelner Prompt, sondern ein Ziel übergeben. Dieses zerlegt er eigenständig in Teilschritte, führt sie autonom aus, nutzt bei Bedarf weitere Tools oder spezialisierte Agenten, bewertet Zwischenergebnisse und korrigiert Fehler selbstständig. Der Mensch greift nur an definierten Kontrollpunkten ein. Die KI agiert damit nicht mehr nur als Assistent, sondern als aktiver digitaler Mitarbeiter.

Für das Customer Communication Management ist diese Unterscheidung essenziell, da sie darüber entscheidet, was sich tatsächlich automatisieren lässt.

Warum das für CCM entscheidend ist

Die Diskussion über KI in der Kundenkommunikation drehte sich bislang vor allem um promptbasierte Funktionen: generierte Inhalte, intelligente Vorschläge oder in Produkte integrierte Chat-Oberflächen. Diese Ansätze schaffen Mehrwert bei einzelnen Aufgaben, bleiben jedoch meist eine Weiterentwicklung bestehender Arbeitsweisen, keine grundlegende Transformation. Das eigentliche Potenzial liegt tiefer.

CCM ist geprägt von hohen Volumina, komplexen Abläufen und strengen Compliance-Anforderungen. Unternehmen erstellen und versenden Millionen von Dokumenten – etwa Kontoauszüge, Policen oder regulatorische Mitteilungen – über unterschiedliche Kanäle, Marken und rechtliche Rahmenbedingungen hinweg. Der operative Aufwand ist enorm, ebenso das Risiko, dass bereits kleine Fehler große Auswirkungen haben.

An diesem Punkt zeigt agentische KI ihre Stärke. Denn viele Abläufe im CCM sind repetitiv, aber gleichzeitig komplex. Die Regeln sind klar definiert, jedoch zahlreich. Abweichungen treten regelmäßig auf, folgen jedoch häufig wiederkehrenden Mustern. Das sind ideale Bedingungen für autonome Agenten, die innerhalb klarer Leitplanken handeln, Entscheidungen vorbereiten und Prozesse eigenständig ausführen können.

Mögliche Einsatzszenarien für agentische Workflows sind:

 

  1. Migration und Modernisierung von Vorlagen:

    Unternehmen verwalten oft tausende Altvorlagen aus mehreren Jahrzehnten. Ein agentisches System kann diese analysieren, Redundanzen identifizieren, Geschäftslogik extrahieren und konsolidierte, moderne Varianten vorschlagen – eine Aufgabe, für die Teams sonst Jahre benötigen würden.

  2. Automatisierte Qualitätssicherung

    Bevor eine Kommunikation in den Versand geht, kann ein Agent Compliance, Markenkonsistenz und Datenkorrektheit prüfen. Nicht stichprobenartig, sondern für jedes einzelne Dokument mit vollständiger Nachvollziehbarkeit.

  3. Analyse und Optimierung der Customer Journey

    Ein Agent überwacht die Performance über alle Kanäle hinweg und identifiziert Schwachstellen. Fortgeschrittene Agenten können Workflows innerhalb definierter Leitplanken eigenständig anpassen, um die Interaktion kontinuierlich zu verbessern.

  4. Self-Service-Dokumentenerstellung

    Endkunden oder interne Nutzer beschreiben ihr Anliegen in natürlicher Sprache. Ein Agent interpretiert die Anfrage, ruft relevante Daten ab, erstellt das Dokument und stellt es zu, ohne dass für jede Eventualität vorab eine starre Vorlage modelliert werden muss.

Diese Beispiele verdeutlichen die Entwicklung. Die konkrete Umsetzung wird von Organisation zu Organisation variieren, doch das zugrunde liegende Muster ist klar: mehrstufige, kontextbewusste und autonome Ausführung mit menschlicher Kontrolle dort, wo sie entscheidend ist.

Gleichzeitig vollzieht sich ein grundlegender Wandel. Klassisches Customer Communication Management ist in der Regel auf die Erstellung und den Versand von Dokumenten in klar definierten, linearen Prozessen ausgerichtet. Agentische Workflows ermöglichen hingegen den Übergang zu einer kontinuierlichen, adaptiven Interaktion über den gesamten Kundenlebenszyklus hinweg. Kommunikation reagiert auf Verhalten, Prozesse passen sich dynamisch an veränderte Situationen an.

Damit vollzieht sich ein grundlegender Perspektivwechsel: vom reinen Document Management hin zum Customer Interaction Management. Vom statischen Dokument zum fortlaufenden Dialog. Agentische KI liefert die Architektur, um diesen Wandel in der Praxis umzusetzen.

Warum Compart

Compart greift diesen Wandel aktiv auf und richtet den Fokus auf agentische Workflows. Das ist kein Marketingbegriff, sondern eine Architekturentscheidung mit konkreten Auswirkungen. Es bedeutet, Systeme so zu gestalten, dass KI-Agenten vollständige Prozesse ausführen können, sich in bestehende Plattformen integrieren, ihre Ergebnisse selbst validieren und nur dann eskalieren, wenn es notwendig ist. Hier entsteht die eigentliche Disruption. Nicht durch KI, die Fragen beantwortet, sondern durch KI, die Arbeit erledigt.

AI Communication CCM Technologies

Wir entwickeln diese Fähigkeiten in enger Zusammenarbeit mit Kunden und Partnern. Nicht in der Theorie, sondern als belastbare Systeme, die im operativen Alltag funktionieren.

Unternehmen, die früh handeln, gewinnen strukturelle Vorteile: geringere Betriebskosten, schnellere Migrationen, höhere Durchsätze und eine bessere Customer Experience. Wer wartet, wird sich zunehmend mit einer neuen Kosten- und Effizienzstruktur im Markt messen müssen.

 

Mehr erfahren

Erleben Sie agentische Lösungen live auf dem Comparting 2026 am 12. und 13. März in Sindelfingen. Diskutieren Sie mit Fachleuten darüber, wie KI Agenten die Omnichannel Kommunikation verändern. Registrierung unter: www.compart.com/de/comparting-2026