Bancaja
Ein neues Archiv für Bancaja
Bancaja gehört zu den führenden Finanzinstituten Spaniens. Die Bankengruppe beschäftigt 5.000 Mitarbeiter in über 1.000 Filialen und betreibt mehr als 1.200 Geldautomaten auf dem Festland und den spanischen Inseln. Bancaja ist eines der Unternehmen mit dem größten Emissionsvolumen von Wertpapieren in Europa.
Die Anforderung: Ein neues Dokumentenarchiv
Das Team von Beta Systems kam zu einem Treffen mit Fernando Fons, Leiter der IT-Abteilung von Bancaja, dem Projektleiter Miguel Ricart und einigen ihrer Kollegenin Valencia zusammen.
Dieses Treffen wurde anberaumt, weil derbisherige Anbieter des mainframebasiertenArchivsystems von Bancaja angekündigthatte, den Support für das System in naher Zukunft einzustellen. Bis dato nutzte Bancaja dieses Archiv für die Speicherung aller relevanten Bankinformationen. Über Nacht wurden die Tagestransaktionen in mehreren Arbeitsläufen im Datenbanksystem zusammengeführt. Auf der Grundlage dieser konsolidierten Informationen wurden anschließend Geschäftsberichte für interne und externe Zwecke erstellt und für die spätere Verwendung im Archivsystem abgelegt. Die Vorhaltezeit für diese Informationen betrug bis zu fünf Jahre. Das Archivbestand aus einer Softwareschicht für die Datenspeicherung und -abfrage bei externen Anfragen sowie aus einer Medienschicht, in der die eigentlichen Daten gespeichert wurden. Die Softwareschicht führte Lese- und Schreibvorgänge auf der Storage-Schicht durch und konnte schnell auf gespeicherte Daten zugreifen.
Bedingt durch die bevorstehende Einstellung des Supports musste Bancaja ein neues Archivsystem einführen. Eine der Hauptanforderungen dabei war, dass sämtliche Inhalte des alten Archivs nahtlos in das neue übernommen werden mussten.
Bei der Betrachtung der IT-Architektur von Bancaja wurde auf drei relevante ITSubsysteme eingegangen. Das mainframebasierte TL4-System enthielt die großen DB2-Datenbanken und die entsprechenden Bankanwendungen. Dieses System war an ein windowsbasiertes internes System, das so genannte NPO, angebunden. Darüber hinaus wurde ein webbasiertes System für den Kundenzugriff, das Bancaja Proxima (BP), betrieben. Über dieses System konnten die Kunden auf alle relevanten Bankinformationen zugreifen.
Eine weitere Anforderung von Bancaja war, dass der integrierte Zugriff auf das neue Archivsystem sowohl über die Web-Umgebung des Kunden als auch über das NPO-System möglich sein musste.
Das Beta Systems-Team stellte dem Projektleiter Miguel Ricart, Fernando Fons und seinen Kollegen das Output-Management-System Beta 93 mit den Komponenten Beta 93 Fast Retrieval (Beta 93 FR) sowie der Beta Web Interface Facility (WIF) vor. Beta 93 ist eine z/OS-basierte Output-Management-Lösung für große Rechenzentren, die von zahlreichen Banken in ganz Europa eingesetzt wird. Das Fast-Retrieval-System sorgt für den schnellen Zugriff auf gespeicherte Daten unter Einsatz verschiedenster Technologien, wie zum Beispiel Indizierung und Smart Caching. Das Beta Web Interface ermöglicht den Zugriff auf Dokumente in einer Web-Umgebung.
Entwicklung einer Lösung
Kurz nach diesem ersten Treffen fanden weitere Meetings mit Mitarbeitern der verschiedenen IT-Gruppen von Bancaja statt, in denen über wesentliche Eckpunkte der vorhandenen Infrastruktur informiert wurde. So erfuhr das Beta Systems-Team, dass das interne NPO-System auf der DCOM®-Technologie von Microsoft® aufbaut. Die Proxima-Lösung von Bancaja wurde auf eine Bea WebLogic®-Umgebung aufgesetzt und basierte auf UNIX-Servern.
Wenn ein Kunde seinen Kontoauszug abrufen wollte, griff das System auf das Archivsystem zu und zeigte die Informationen auf dem Bildschirm des Kunden im Textformat an. Diese Darstellung unterschied sich grundlegend von einem ausgedruckten Kontoauszug. Deshalb wollte Bancaja, sofern technisch machbar, diese Lösung dahingehend optimieren, dass sich auch der Web-Auszug am Aussehen eines gedruckten Auszugs orientiert. Der ursprüngliche Kontoauszug im Archiv liegt als AFP-Dokument vor. Da die Kunden in der Regel keine AFP-Dokumente ansehen können, musste zunächst eine Konvertierung in ein anderes Format vorgenommen werden. Hier bot sich das unter den Kundenweit verbreitete PDF-Format an. Die neue Lösung musste also in der Lage sein, AFP-Kontoauszüge und andere AFP-Dokumente in das PDF-Format umzuwandeln.
Zurück in Berlin setzte sich das Beta-Team mit Kollegen aus den Entwicklungslabors und mit Vertretern von Compart, einem Partner von Beta Systems, zusammen, um die Anforderungen von Bancaja zu erörtern. Im Laufe dieser Gespräche nahm die endgültige Lösung für Bancaja Schritt für Schritt Gestalt an.
Beta Systems hatte bereits einige Verbesserungen der WIF-Komponente in Angriff genommen. So wünschten sich beispielsweise viele Kunden eine Personalisierung des Web-Zugriffs auf Archivdaten unter Berücksichtigung des unternehmensspezifischen Corporate-Identity-Stils. Darüber hinaus nutzte die WIF-Lösung eine ältere Java® -Technologie, mit der Applets, wie zum Beispiel ein Linemode-Viewer, an das Desktop-System des Kunden gesendet wurden. In Umgebungen mit eingeschränkter Bandbreite konnte es aber durch den Versand der Applets zu Übertragungsengpässen kommen.
Während das Team noch die Lösung für Bancaja entwickelte, veröffentlichte der Geschäftsbereich DMS die erste Versioneines Nachfolgers von WIF – den BetaWeb Enabler. Beta Web Enabler wurde unter Einsatz der Java 2 Enterprise Edition-Technologie entwickelt.
Beta Web Enabler (BWE) bietet eine Web-Benutzeroberfläche für die Produkte der Beta 93-Reihe. Dabei kommen verschiedenste Technologien zum Einsatz, wie Open Source Web und Application Server, Tomcat und JBoss. Für den Betrieb in einer Bea WebLogic-Umgebung und die Bereitstellung von Umwandlungsfunktionen musste diese Lösung entsprechend angepasst werden. Die standardmäßige Benutzeroberfläche von Beta Web Enabler musste durch die vorhandene Oberfläche von Bancaja Proxima ersetzt werden, die wiederum an die neue Archivfunktionalitätvon Beta 93 FR angepasst werden musste. Der Zugriff auf Beta Web Enabler musste über eine API (Application Programming Interface) möglich sein. Die BWE API wurde durch die Anpassung der vorhandenen WIF-Schnittstelle an die neue J2EE-Technologie realisiert. Es wurde beschlossen, die relevanten Komponenten unter Nutzung der RMI®-Technologie (Remote Method Invocation) separat auszuführen.
Im Hinblick auf die Konvertierung von AFP zu PDF wurde Beta Systems von Compart unterstützt. Das DocBridge Toolkit von Compart erwies sich dabei als ideale Lösung, da es die diesbezüglichen Anforderungen in puncto Funktionalität und Performance umfassend erfüllte.
Bancaja entschied sich für die Implementierung der vorgeschlagenen Lösung und bat Beta Systems, sämtliche Maßnahmen aller am Projekt beteiligten Partner zu koordinieren. Es wurde ein Projektteam gebildet, das aus Mitarbeitern von Bancaja und von Beta Systems bestand. Die Lösung von Beta Systems wurde zunächst in mehreren Schritten in der Test- und Integrationsumgebung von Bancaja installiert. Nach der erfolgreichen Testphase wurden alle Komponenten in die Produktionsumgebung überführt.
Die Web-Lösung
Der Zugriff auf ein Dokument wird durch eine Benutzeranfrage ausgelöst – z. B. wenn ein Kunde seinen aktuellen Kontoauszug herunterladen möchte. Diese Anfrage wird vom Web Application Server als eine „Download-Anforderung" mit einer „Konvertierungsanfrage" behandelt. Der Application Server nutzt Beta Web Connector für den Zugriff auf das Beta93 Fast Retrieval-Archiv, um so das gewünschte Dokument abzurufen. Das Dokument wird anschließend zum Konvertierungsserver (der auf einem separaten Server läuft) übertragen. Hier wird die entsprechende Umwandlung (in diesem Fall von AFP zu PDF) vorgenommen. Das umgewandelte Dokument wird dann zum Web Application Server zurückgegeben, von wo aus es schließlich an den Web-Client weitergeleitet wird.
Bei jedem Projekt für den Web-Zugriff spielt das Thema Sicherheit eine entscheidende Rolle. Im Fall von Bancaja werden die Authentifizierungsdaten und die wichtigsten Autorisierungsinformationen des Kunden in einem Datenbanksystem abgelegt. Wenn ein Kunde eine Verbindung zu Bancaja Proxima (BP) herstellen möchte, ermittelt der Web Application Server die entsprechenden Benutzeridentifizierungsdaten und fordert beim Datenbanksystem eine Authentifizierung an. Nach erfolgreicher Authentifizierungstehen die Autorisierungsinformationen des Kunden in BP als Binary Large Object (BLOB) zur Verfügung. Es wurde entschieden diese Informationen im Hintergrund über alle Zwischenschichten des Systems zum Archivsystem zu transportieren, indem der Zugriff auf ein bestimmtes Dokument durch den Kunden überprüft wird. Zu diesem Zweck wird das BLOB von der Archivsoftware über ein spezielles Sicherheits-Gate an eine dedizierte Überprüfungsroutine übermittelt. Diese gibt anschließend die Entscheidung „genehmigt" oder „nicht genehmigt” an das Archiv zurück. Wenn der Zugriff genehmigt wird, wird das entsprechende Dokument aus dem Archiv extrahiert und an den Web Application Server weitergegeben.
Fazit
Die neue Dokumenten-Management-Lösung bietet den Kunden von Bancaja einen entscheidenden Mehrwert. Kontoauszüge und andere Dokumente werden im selben Format an die Web-Clients gesendet, in dem sie auch in der Bank ausgedruckt werden. Zudem wurden die Zugriffs- und Reaktionszeiten spürbar verkürzt.
„Wir sind mit der Lösung von Beta Systems rundum zufrieden", so Vicente Tos Viala, IT Systems Manager bei Bancaja. „Wirkönnen unseren internen und externen Kunden jetzt einen effizienteren, optimierten Zugriff auf Kontoauszüge ermöglichen. Die Resonanz war bisher äußerst positiv. Derzeit verzeichnen wir 2.500 Kunden-Visits pro Tag auf unserer Service-Website und wir erwarten für die nahe Zukunft bis zu 10.000 Visits pro Tag."
